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15. Jahrgang (2012) - Ausgabe 2 (Februar) - ISSN 1619-2389
Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Krisennavigator
Mit freundlicher Unterstützung
der Deutschen Gesellschaft für
Krisenmanagement (DGfKM) e.V.

und der Partnerunternehmen:

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Checklisten zum betrieblichen Krisenmanagement

von Prof. em. Dr. Dr. h.c. Jürgen Hauschildt †

(1) Liquiditätspolitik im Krisenfall

Konzept

  • Prämisse: Die normalen Finanzierungsmöglichkeiten sind erschöpft 
  • Priorität der Liquiditätserhaltung
  • Bedeutungswandel herkömmlicher Ziele (Rentabilität, Marktposition, Produktprofil etc.)
  • Prinzipielle Zukunftsperspektive
    • Bei der Abschätzung von Aktionen
    • Bei der Ermittlung der kalkulatorischen Wirkungen
  • Ansatzpunkte der Liquiditätspolitik

    • Ausgaben
    • Einnahmen
    • Reserven
    • Besondere Formen von Kredit

Verschieben oder Senken von Ausgaben

  • Maßnahmen des Unterlassens

    • Verzicht auf Investitionen
    • Senkung der Materialbestände, Änderung der Beschaffungspolitik
  • Maßnahmen des Tuns

    • Einführung von Kurzarbeit
    • Entlassungen
    • "Sparaktionen"
    • Ausschüttungsstop

Vorziehen oder Bewirken von Einnahmen

  • Aktive Inkassopolitik, Skontopolitik, Factoring
  • Ausverkäufe, Lagerabbau
  • Forcierter Verkauf von "Liquiditätsbringern"
  • Desinvestition des Anlagevermögens

Reserveauflösung

  • Zweckänderung bei angesparten Mitteln
  • Tatsächliche Mobilisierung von freien, nicht zweckgebundenen Reserven
  • Reserven als Mittel des Bluffs
  • Zeitdruck bei der Reservenauflösung

Kreditaufnahme

  • Geeignete und ungeeignete Kreditgeber - die Auslotung der Interessen

    • Banken
    • Lieferanten
    • Staat
  • "Kritische Zahl" der Kreditgeber - "zu" viele oder "zu" wenige?
  • Änderung der Zahlungsweise ("Postlaufkredite")
  • Kreditaufnahme durch Verschlechterung der Zahlungsmoral?

Zusätzliche Überlegungen zur liquiditätspolitischen Anpassungsentscheidung

  • Sicherheit der Wirkung
  • Geschwindigkeit der Wirkung
  • Nachwirkungen
  • Preis der Sicherheit

(2) Bilanzpolitik im Krisenfall

(Vermeintliche) Erwartungen der Bilanzleser

  • Zum Erfolg

    • Stetigkeit - Die hohe Bedeutung des Zeitvergleichs
    • Akzeptanz bestimmter Aufwandssteigerungen
  • Zur Bilanz im engeren Sinne
    • Ausweis von Liquidität
    • Ausweis von struktureller Deckung - "goldene Bilanzregel",
      "goldene Finanzierungsregel"
    • "Normale" Verschuldung
  • Zum Zeitpunkt der Bilanzvorlage

Maßnahmen der Bilanzpolitik

  • Vor-Stichtag-Dispositionen

    • Vorziehen von Umsätzen
    • Verschieben von Ausgaben/Aufwendungen
    • "Window-Dressing" des Liquiditätsausweises
  • Bilanzgliederungsentscheidungen

    • Umgliederungen vom Umlauf- in das Anlagevermögen
    • Verkäufe an Tochtergesellschaften
    • Sale-and-lease-back
  • Bewertungsentscheidungen

    • Neu zu definierender Aktivierungswille
    • Verzicht auf zulässig höhere Abschreibungen
    • Verzicht auf Rückstellungsbildung
    • Ansatz möglichst hoher Herstellungskosten
    • Ausnutzung von Spielräumen des Niederstwertprinzips
    • Zuschreibungen (Rückgängigmachen von Abschreibungen) 

Fragwürdigkeit der Bilanzpolitik

  • Neuere Methoden der Bilanzanalyse
  • Kurzfristige Wirkung der Bilanzpolitik
  • Überreaktion der enttäuschten Bilanzleser

Sinnhaftigkeit der Bilanzpolitik

  • Abwendung einer voreiligen Überschuldungsfeststellung
  • Überbrückungsfunktion

(3) Aktive Informationspolitik im Krisenfall

Adressaten des Krisenmanagements

  • Selbstinformation, insbesondere der ungläubigen Top-Manager
  • Kreditgeber, namentlich die Bank(en)
  • Eigenkapitalgeber
  • Belegschaft
  • Marktpartner

Grundtendenz der Informationspolitik ("message")

  • Bewußt optimistische Aussage
  • Bewußt pessimistische Aussage
  • Realistische Aussage
  • Hervorhebung der Stärken
  • Darlegung der Schwächen
  • Prinzipielle Verbindung von Lageinformation mit einem Aktionsvorschlag

Instrumente der Informationspolitik

(4) Besondere (passive) Informationsnotwendigkeiten im Krisenfall

Grundsätze

  • Informationen über die Zukunft rangieren vor Informationen über die Vergangenheit
  • Informationen über Zahlungsströme rangieren vor Informationen über Erfolgspositionen
  • Tendenziell pessimistische Erwartungen rangieren vor tendenziell optimistischen
  • Tendenziell einfache, ungenaue, aber schnelle Informationen rangieren vor komplizierten, langsamen, aber genauen

Gegenstände der Information

  • Rollende Finanzplanung zur laufenden Betriebstätigkeit
    (Feststellung von Volumen, frühestem Zeitpunkt und Dauer des Liquiditätsengpasses)
  • Liquiditätsträgerrechnung
    (Welche Produkte verursachen wenig Ausgaben und bringen schnell viele Zahlungseingänge?)
  • Analytische Erfassung von Risiken und Reserven
    (RR-Bilanz - Welche Risiken sollen durch welche Reserven aufgefangen werden?)
  • Gestaffelte Liquidationslisten
    (Wert der Vermögensgegenstände unter unterschiedlichen Verkaufsannahmen)
  • Alternativ- oder Schubladenplanung
    (Planung mehrerer, gleich wahrscheinlicher Zukünfte)

(5) Organisation des Krisenmanagements

Bewußtes Bekenntnis zum Krisenmanagement

Position des Krisenmanagers

  • Zwang zur Zentralisierung
  • Zwang der Zentralisierung an der Unternehmensspitze

Sondervollmachten des Krisenmanagers

  • Vetorechte
  • Initiativrechte
  • Informationsrechte

Krisenmanagement-Team

Verstärkter Informationsaustausch im Top-Management

Bewußte Beendigung des Krisenmanagements

Autor

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Jürgen Hauschildt †
Institut für Betriebswirtschaftslehre
Christian-Albrechts-Universität
Westring 425
D-24098 Kiel
Internet: www.bwl.uni-kiel.de
E-Mail: hauschildt(at)krisennavigator.de

Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
1. Jahrgang (1998), Ausgabe 1 (November)


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