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Krisenbewältigung durch den Steuerberater
von Dipl.-Kfm. Frank Roselieb
Bei der frühzeitigen Erkennung und konsequenten Bewältigung betrieblicher Schieflagen nehmen Steuerberater eine Schlüsselposition ein. Aus den Posten der Finanzbuchhaltung oder bei der Vorbereitung des Jahresabschlusses für ihre Mandanten erkennen sie meist als erste eine drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung des Unternehmens. Für die anschließende Begleitung des Mandanten bei der Unternehmenssanierung oder im Rahmen eines Insolvenzverfahrens sind allerdings vertiefende Kenntnisse des Steuerberaters hinsichtlich der Sanierungsmethoden und Insolvenzvorschriften unerlässlich. Im eigenen Interesse sollte der Steuerberater außerdem abschätzen können, welche Haftungsrisiken er im Falle von Beratungsfehlern eingeht.
Herausgeber Thomas Uppenbrink, Insolvenzverwalter und Wirtschaftsmediator aus Hagen, hat sich zusammen mit sieben Co-Autoren das Ziel gesetzt, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern mit dem vorliegenden Handbuch das nötige krisenspezifische Fachwissen zur kompetenten Beratung von Mandanten zu vermitteln. Das Buch gibt einen praxisnahen, komprimierten Überblick über ausgewählte betriebswirtschaftliche und juristische Aspekte der Sanierung, Liquidation und Insolvenz von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Zu Wort kommen erfahrende Praktiker aus den Bereichen Steuer-, Sanierungs- und Rechtsberatung sowie Bank und Justiz. Das Grundwerk befindet sich auf dem Rechtsstand vom September 2003 und wird durch Ergänzungslieferungen regelmäßig aktualisiert. - Kapitel eins führt in die Struktur des Handbuchs und in die Benutzung der mitgelieferten CD-ROM ein. Enthalten sind - neben einem Autoren- und Abkürzungsverzeichnis - auch ein ausführliches, neunzehnseitiges Stichwortverzeichnis von "A" wie Abbuchungsauftrag bis "Z" wie Zweitschuldnerhaftung. Die beigefügte CD-ROM ergänzt das Handbuch sinnvoll. Im Volltext können dort u.a. einschlägige Gerichtsentscheidungen, Gesetze und Verwaltungsanweisungen sowie verschiedene Word- und Exceldokumente (z.B. Checklisten zur Finanzbuchhaltung, Kennzahlenanalyse und Fortführungsprognose, Mustertexte für Aufhebungsverträge, Sozialpläne, Insolvenzeröffnungen) abgerufen werden.
- Im zweiten Kapitel skizzieren die Autoren die Rahmenbedingungen, die Steuerberater bei der Krisenbewältigung für ihre Mandantenunternehmen beachten müssen. Neben den allgemeinen beruflichen Pflichten des Steuerberaters wird auch seine spezielle Rolle als Sanierungsberater und Insolvenzverwalter erläutert. Ausdrücklich weisen die Autoren daraufhin, dass mit der Insolvenz des Mandanten sowohl Haftungsrisiken für den Steuerberater entstehen als auch die erfolgreiche Durchsetzung seines Honoraranspruchs nicht immer gewährleistet ist. Zur Lösung dieser Probleme geben die Autoren hilfreiche Tipps, wie der Honoraranspruch abgesichert, das Mandantenverhältnis vertraglich ausgestaltet und der Versicherungsschutz durch eine Berufshaftpflichtversicherung genutzt werden kann.
- Kapitel drei enthält einen Überblick über die verschiedenen Methoden zur frühzeitigen Krisenerkennung durch den Steuerberater. Die Autoren stellen alternative Formen und Ursachen von Krisen dar und erläutern im Detail, durch welche organisatorischen Maßnahmen die einzelnen Kanzleimitarbeiter in das Frühwarnsystem des Steuerberaters eingebunden werden können. Sie verdeutlichen, anhand welcher Auffälligkeiten bei der laufenden Finanzbuchhaltung und bei der Vorbereitung des Jahresabschlusses sowie anhand welcher äußeren Signale auf eine drohende Schieflage des Mandanten geschlossen werden kann. Ein schlagwortartiger Überblick über zweckmäßige Maßnahmen zur Konsolidierung des Betriebs und zum Dialog mit den Kreditinstituten rundet das Kapitel ab.
- Das umfangreiche vierte Kapitel widmet sich den Maßnahmen zur Krisenbewältigung im Detail. Überblicksartig dargestellt werden zunächst die alternativen steuerlichen Möglichkeiten bei einer Unternehmenssanierung: Modelle zur Verbesserung der Eigenkapitalstruktur, Gestaltungsmöglichkeiten beim Forderungserlass und denkbare Sanierungsbeiträge durch den Geschäftsführer. Anschließend erläutern die Autoren das schrittweise Vorgehen bei Unternehmenssanierungen - von der Situationsanalyse über das Sanierungskonzept bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit. Breiten Raum nehmen in diesem Kapitel außerdem die möglichen Interessengegensätze der an einer Sanierung beteiligten Parteien sowie die verschiedenen arbeitsrechtlichen Probleme bei Betriebsänderungen und Personalabbau ein.
- Im fünften Kapitel beschreiben die Autoren typische Verfahrensfehler in der Insolvenz. Nach einer Einführung in den Zweck des Insolvenzrechts erörtern sie ausführlich mögliche Eröffnungsgründe, Form und Inhalt des Eröffnungsantrags, denkbare Sicherungsmaßnahmen im Eröffnungsverfahren, die Aufgaben des Insolvenzgerichts und Insolvenzverwalters sowie den Verfahrensablauf bei der Restschuldbefreiung. Die Ausführungen sind bewusst recht allgemein gehalten und sollen dem Steuerberater lediglich einen ersten Überblick über die Vielzahl an Fallstricken im Insolvenzverfahren seines Mandanten geben. Welche praktischen Schlussfolgerungen sich hieraus für die Beratungspraxis des Steuerberaters ableiten lassen, stellen die Autoren leider nur recht kurz auf den letzten sechs Seiten des Kapitels dar.
- Da Unternehmensschieflagen eine Vielzahl von Haftungsgefahren bergen, werden im sechsten Kapitel mögliche Haftungsrisiken und Strategien zur deren Minimierung im vorinsolvenzlichen, insolvenznahen und insolvenzakuten Bereich skizziert. Die Autoren diskutieren u.a. die Haftung des Steuerberaters wegen verspäteter Insolvenzantragsstellung, die Haftung des Mandanten wegen Nichtabführung von Sozialversicherungsbeiträgen sowie mögliche Insolvenzstraftaten (z.B. Gläubigerbegünstigung und Bankrott) und insolvenzbegleitende Delikte (z.B. Kreditbetrug und Urkundenfälschung). Zur Reduzierung der Haftungsgefahr für den Steuerberater sind auf der beigefügten CD-ROM verschiedene Mustertexte hinterlegt, mit denen sich dieser schriftlich gegenüber seinem Mandanten absichern kann.
- Im abschließenden, recht kurzen siebten Kapitel erfährt der Leser, mittels welcher Nachsorgemaßnahmen der Steuerberater den sich hoffentlich einstellenden Sanierungserfolg seines Mandanten langfristig sichern kann. Hierzu zählen neben der Beseitigung verbliebener struktureller Risiken des Unternehmens auch Korrekturen bei der Unternehmensfinanzierung und im operativen Betrieb. Um einen Rückfall in die Krisensituation zu verhindern, empfehlen die Autoren außerdem die Schaffung hinreichender Kontrollmechanismen im Rechnungswesen sowie ein "Coaching" in monatlichen, vierteljährlichen, jährlichen oder bei Bedarf ad hoc angesetzten Gesprächen mit wichtigen Sanierungsbeteiligten (Steuerberater, Firmenkundenbetreuer der Bank, wichtige Kunden etc.).
Insgesamt ist dem Herausgeber und seinen Co-Autoren ein lesenswerter Leitfaden für Steuerberater gelungen. Dieser führt umfassend und leicht verständlich in die wesentlichen Grundlagen der Krisenbewältigung in kleinen und mittelständischen Unternehmen ein. Die Checklisten und Gerichtsurteile auf der CD-ROM erleichtern den Einsatz in der Kanzleipraxis. Lediglich Hinweise auf die zahlreich vorhandenen Softwarelösungen zur Unterstützung des Steuerberaters bei der Krisenerkennung und Krisenbewältigung im Betrieb seines Mandanten kommen im Grundwerk der Loseblattsammlung zu kurz. Gleichwohl sei die Schrift Steuerberatern, die sich umfassend auf mögliche Krisen ihrer Mandanten vorbereiten wollen, zur Lektüre empfohlen.
Thomas Uppenbrink (Hrsg.), Krisenbewältigung durch den Steuerberater, Risiken erkennen, Krisen vermeiden, Mandate sichern Deubner Verlag, Köln, 2004 (Grundwerk) Loseblattsammlung, EUR 126.26 EUR ISBN 3-88606-509-X
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Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389): 7. Jahrgang (2004), Ausgabe 8 (August)
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Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel. © Frank Roselieb 1998-2010. Alle Rechte vorbehalten. Internet: www.krisennavigator.de | E-Mail: roselieb(at)krisennavigator.de
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